Die Auswanderer
Jeder Familienforscher findet irgendwann in seinen Ahnenreihen eine Auswandererfamilie. Als ich mit der Ahnenforschung begann erfuhr ich, dass meine Uroma Auguste Giese, geb. Siebel in Stralsund noch bis in die 1950er Jahre mit einem Bruder oder Schwager in Amerika geschrieben hatte. Der Kontakt beschränkte sich nach und nach nur noch auf das Senden von Geburtstags- und Weihnachtsgrüßen und schlief dann endgültig ein. Der Auswanderer war mittlerweile verstorben und die Kinder konnten kein deutsch, die Ur-Oma kein englisch. Die Adresse der Familie war danach verloren gegangen. Dieser Auswanderer soll eine Rinderfarm in Iowa oder Ohio, nein Iowa gehabt haben. Eine Verwandte soll noch nach England ausgewandert sein, aber wer? Und ein „Onkel“ lebt in der Südsee. So in etwa trifft wohl jeder erstmals auf Auswanderer.
Zunächst versuchte ich mein Glück auf Seiten wie www.ancestry.com oder www.rootsweb.com und fand viele Siebel und Giese. So konnte ich es nicht anfangen. Ich stieß auf die Seite www.ellisisland.org Dort gab ich nach und nach alle mir mittlerweile bekannten Namen ein und fand so einen Rudolf Siebel, Alter und Herkunftsort passten (mit Phantasie Bukkomt statt Bubkevitz). Er war 1899 ausgewandert. Es fand sich in der Schiffliste der Vermerk, „… nach Lowden, Iowa zum Bruder August Siebel“. Aha, da waren es ihrer schon zwei Auswanderer. Den genannten August Siebel fand ich dort jedoch nicht. Er tauchte später auf der Seite www.castlegarden.org auf. Er war 1885 ausgewandert.
Von dort aus ging ich mit diesen beiden nun sicheren Namen wieder zurück zu rootsweb und fand doch dort tatsächlich Hinweise auch auf August. Er war gemeinsam mit einer mir damals unbekannten Familie Siebel ausgewandert. Obwohl ich den Einsender dieser Information bis heute mehrmals angemailt habe, kam von dort keine Mail zurück. Warum setzt man Informationen ins Internet und antwortet nicht auf Mails, die zu diesen Informationen eingehen?
Da ich nun aber sicher war, dass es sich um den Bundesstaat Iowa handelte, versuchte ich übers Internet Ahnenforscher in Iowa zu finden und fand das Projekt www.usgenweb.org. Dort haben sich freiwillige Helfer in den USA organisiert und zu jedem Bundesstaat gibt es eine eigene Projektgruppe, die sich wiederum in die einzelnen Counties unterteilt. Kurz und gut, mit den Informationen, die ich damals hatte, Namen, Geburtsdaten, mutmaßlicher Wohnort wandte ich mich an die Gruppe in Iowa und erhielt für mich überwältigende Hilfe, die Auskünfte waren kostenlos. Wohnort, Namen von 12 Kindern, Ehefrau, Versicherungsnummern. Die Sache erhielt plötzlich eine Eigendynamik. Ich hatte einen Enkel von August ausfindig gemacht. Dieser, an Ahnenforschung nicht sonderlich interessiert, gab meinen Brief weiter an seine Nichte. Diese schickte mir einen dicken Brief mit Fotos und anderen Unterlagen. Eine Cousine von dort, die ich noch nicht kannte, sandte mir Fotos. Beide hatten bislang kaum Kontakt miteinander und verabredeten sich zu einem Familientreffen um Stammbäume zu vergleichen und Daten auszutauschen.
Etwa zeitgleich fand ich beim Durchstöbern des Archivs der Pommern-Liste die einzige Mail von Wes aus dem Jahre 2003, der den Namen Arndt erwähnte und schrieb ihm eine Mail. Er war ganz über überrascht, dass ihn jemand nach 3 Jahren gefunden hatte. Es stellte sich heraus, dass er ein Nachkomme der Schwester meiner Ururgroßmutter Friederike Arndt war. Da waren es nun schon drei Auswanderer in der Familie! Durch Wes bekam ich Zugang zur Wittmüß-Familienseite bei www.myfamily.com. Pat, die diese Seite ins Leben gerufen hatte, ist wiederum Nachkomme eines Bruders meiner Ur-ur-ur-Oma Friederika Wittmüß. Außerdem fand Wes noch einen Siebel-Nachkommen, Allen, in einem Nachbarort, der mir ebenfalls viele Unterlagen zumailte, u. a. die Entlassungsurkunde von August.
All diese Funde führten mich zu zahlreichen Auswanderern, die allesamt Familienangehörige meiner Urgroßmutter Auguste Siebel sind, der Mutter meines Großvaters Ewald Giese. Innerhalb von 55 Jahren sind mindestens 47 Personen in die USA gegangen.
Nicht zu allen Personen habe ich Hinweise in Schiffslisten gefunden. Dass sie ausgewandert sind, steht jedoch zweifelsfrei fest. Zu manchen Personen habe ich viele Angaben, zu manchen wenige. Ganz sicher ist jedoch, dass etliche Freunde und Nachbarn, vermutlich auch weitere Familienangehörige den Weg nach Amerika gemacht haben. In den unten angegebenen Schiffslisten tauchen bekannte Namen auf, die ich noch nicht zuordnen kann, einige Namen werden auch in Briefen erwähnt.
Alle „meine“ Auswanderer siedelten sich nach kurzer Episode in Chicago zunächst entweder in McHenry County, Illinois, Bloomington, Illinois oder Clinton County, Iowa an. Viele Nachkommen wohnen noch heute dort.